Künstlich, intelligent und kreativ?

von Nicolai Schwarz | Screenguide #33, Editorial

Immer häufiger warnen Artikel und Fachleute vor den negativen Auswirkungen von Automatisierung, Robotern und künstlichen Intelligenzen auf die Arbeitswelt. Millionen von Jobs werden in allen möglichen Branchen wegfallen. Doch als Kreative sollten unsere Jobs eigentlich sicher sein. Oder?

 

Künstliche Intelligenzen können immer mehr, immer schneller und immer besser. Deshalb werden sie über kurz oder lang auch jede Menge Jobs übernehmen. Schon 2013 haben Carl Benedikt Frey und Michael A. Osborne an der Universität Oxford die Studie „The future of employment: How sus­ceptible are jobs to computerisation?” veröffentlicht. Darin untersuchen sie die Auswirkung der Computerisierung auf 702 Berufsbilder des US-Arbeitsmarktes. Sie kommen zu dem Schluss, dass 47 Prozent dieser Berufe bedroht sind. Das ist für verschiedene Berufe leicht vorstellbar. Wenn etwa Taxi- und Lastwagenfahrer durch selbstfahrende Kraftfahrzeuge ersetzt werden. In anderen Branchen könnten Chatbots Berater und Call-Center-Mitarbeiter ablösen.

Innerhalb der Kreativ- und Medienbranche mögen Sie sich im direkten Vergleich noch sicher fühlen. Wie sollen Ihnen unemotionale Computerprogramme auch das Wasser reichen können, wenn es darum geht, Artikel zu schreiben, Musik zu komponieren oder Logos und Websites zu gestalten? Ganz so sicher sind unsere Jobs dann aber doch nicht. Denn künstliche Intelligenzen werden bereits in kreativen Bereichen eingesetzt – und das schon seit Jahrzehnten. In vielen Fällen sind die Ergebnisse eher zum Schmunzeln, in einzelnen Projekten aber erschreckend gut. So gut, dass Menschen manchmal nicht unterscheiden können, ob das Werk nun von einem Computer oder einem anderen Menschen erschaffen wurde. Das aktuelle Titelthema zeigt ab Seite 36 ein paar Beispiele, wie sich künstliche Intelligenzen in der Kreativbranche schlagen. Ergänzend dazu geht es ab Seite 42 um Molly, eine künstliche Intelligenz, die in Sekundenschnelle komplette Websites erstellt. Ein genauerer Blick auf Mollys Werke macht schnell deutlich, dass Sie sich zumindest in den nächsten Jahren noch keine Sorgen um Ihren Job als Webworker machen müssen.

Noch gibt es also genug Arbeit für Webworker. Und damit gute Gründe, auf dem Laufenden zu bleiben und Wissen zu vertiefen. So zeigen Ihnen unsere Autoren in diesem Heft etwa, wie Sie über guten Content und ein darauf abgestimmtes automatisches E-Mail-Marketing aus Lesern neue Kunden machen, wie Sie Schwächen von WordPress durch die passenden Plugins ausgleichen, ob PDF oder EPUB das bessere Format für barrierefreie Dokumente ist oder wie Sie Ihre eigene Cloud mit Nextcloud einrichten. Außerdem stellen wir Ihnen Plone vor, ein flexibles Content-Management-System auf Basis von Python. Jede Menge Möglichkeiten also, Herr über Ihre kleine Ecke des Internets zu bleiben – ohne sich dabei von künstlichen Intelligenzen reinreden lassen zu müsen.

„I’ve calculated your chance of survival, but I don’t think you’ll like it.”

Nicolai Schwarz

Nicolai Schwarz 

Nicolai Schwarz

kümmert sich am liebsten um guten Content. So auch bei der Screenguide. Wenn er dort nicht gerade Inhalte auf Herz und Nieren prüft, arbeitet er als selbstständiger Designer und Webentwickler, hauptsächlich in Drupal-Projekten.

Twitter: @textformer

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