Chat me up!

von Nicolai Schwarz | Screenguide #32, Editorial

Chatbots liegen im Trend. Alle großen Internetfirmen – und viele kleinere – arbeiten an ihren eigenen Bots und Frameworks. Im Zusammenspiel mit Messenger-Plattformen und künstlicher Intelligenz können Sie damit Pizza bestellen, Aktienkurse im Auge behalten oder Ihr neues Outfit zusammenstellen. Webworker sprechen von conversational interfaces, Geschäftsleute hoffen auf conversational commerce.

 

Beim aktuellen Hype vergisst man schnell, dass Chatbots in diesem Jahr bereits ihren Fünfzigsten feiern. Schon 1966 konnte das von Joseph Weizenbaum geschriebene Programm Eliza verschiedene Gesprächspartner simulieren. Am bekanntesten ist die Simulation eines Psychotherapeuten. Weizenbaum wollte damit die Möglichkeiten der Kommunikation zwischen einem Menschen und einem Computer über natürliche Sprache zeigen. Eliza benutzte dazu simple Techniken, trotzdem wurde das Programm von vielen Benutzern ernst genommen.

Wenn Sie sich einige aktuelle Chatbots auf den verschiedenen Plattformen anschauen, können Sie schnell auf den Gedanken kommen, dass sich seit Eliza nicht viel getan hat. Viele Bots reagieren nur auf eine begrenzte Auswahl an Wörtern. Nichts, was Sie nicht mit ein wenig JavaScript selbst programmieren könnten. Allerdings stecken die Bots von Facebook oder Slack auch noch in den Kinderschuhen. Andreas Helget und Patrick Schramowski zeigen Ihnen ab Seite 56, was sich derzeit tut und was mit Systemen wie wit.ai heute schon möglich ist.

Sobald auf der anderen Seite nämlich eine künstliche Intelligenz am Werk ist, die entsprechend trainiert wurde, laufen die Gespräche schon deutlich anders. Bestes Beispiel dafür ist Xiaoice, ein Chatbot von Microsoft für den chinesischen Markt. Die Software ist intelligent, hat Humor und merkt sich Ereignisse, um später darauf zurückzukommen. Junge Chinesen sprechen mit ihr über Liebeskummer, verlorene Jobs oder einfach nur, weil sie einen schlechten Tag haben. Natürlich kann und will auch Xiaoice keinen Psychotherapeuten ersetzen. Aber das Programm hat über 20 Millionen registrierte Nutzer, und im Durchschnitt interagiert jeder Nutzer 60-mal im Monat mit dem Chatbot. Kein schlechtes Ergebnis für eine künstliche Intelligenz.

Bis künstliche Intelligenzen irgendwann Ihre Aufgaben als Webworker übernehmen, müssen Sie sich aber noch selbst darum kümmern. Und so lesen Sie in dieser Ausgabe zum Beispiel, wie Sie WordPress zu einem Content-Hub ausbauen, was Foundation 6 zu bieten hat, wie Sie Facebook Live und Periscope für Ihr Unternehmen nutzen, was Sie für die Sicherheit Ihrer Webprojekte tun können und was Videotext in Zeiten des Internets zu bieten hat.

„What makes you believe now I am just talking nonsense?” (Eliza)

Nicolai Schwarz

Nicolai Schwarz 

Nicolai Schwarz

kümmert sich am liebsten um guten Content. So auch bei der Screenguide. Wenn er dort nicht gerade Inhalte auf Herz und Nieren prüft, arbeitet er als selbstständiger Designer und Webentwickler, hauptsächlich in Drupal-Projekten.

Twitter: @textformer

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