Editorial

von Nicolai Schwarz | Screenguide #31, Editorial

Google hat seine „Accelerated Mobile Pages“ (AMP) mittlerweile für alle geöffnet. Damit sollen Webseiten spürbar schneller geladen werden. Wer teilnehmen möchte, stellt seine Inhalte zusätzlich im neuen, proprietären Format AMP HTML ins Netz. Dem Diktat der Geschwindigkeit müssen sich eben alle unterordnen, notfalls auch Webstandards.

 

Wir alle haben ein Interesse daran, dass Webseiten auf mobilen Geräten schnell geladen werden. Nutzer wollen die Inhalte sehen. Website-Betreiber verdienen Geld, indem sie Anzeigen schalten oder Produkte und Dienstleistungen verkaufen. Angeblich verliert der E-Commerce-Markt in den USA jährlich über 500 Milliarden Dollar, weil Webseiten zu langsam geladen werden [goo.gl/xskpoV]. Kein Wunder also, dass Unternehmen wie Google, Facebook oder Apple alles daran setzen, Inhalte schneller auszuliefern – dafür haben die drei jeweils ein eigenes Format entwickelt: AMP, Instant Articles und Apple News.

Während Facebook und Apple mit ihren Formaten etwas Vorsprung haben, kann Googles AMP zumindest mit zwei Vorteilen punkten: Zum einen können Sie Accelerated Mobile Pages auch mit einem normalen Browser betrachten, während die anderen beiden Formate dazu gedacht sind, innerhalb von Facebook oder Apple News gelesen zu werden. Zum anderen hat Google sein AMP als Open Source veröffentlicht, was hoffen lässt, dass Vorschläge aus der Community eher Beachtung finden. Ab Seite 50 zeigt Ihnen Markus Werner, welche Vorteile AMP noch zu bieten hat, wie es sich von dem bekannten HTML unterscheidet, was möglich ist und was nicht.

Jeder, der sich irgendwann einmal für Webstandards eingesetzt hat, kann über die neuen, proprietären Formate nur den Kopf schütteln. Früher gab es Websites, bei denen Besucher zu einer barrierefreien Version umschalten konnten – anstatt die reguläre Website von vornherein barrierefrei zu gestalten. Heutzutage gibt es von großen Plattformen oft optimierte Versionen für mobile Geräte. Nun sind wir also dabei, Artikel einer Website neben HTML in drei zusätzlichen Formaten extra für Google, Facebook und Apple aufzubereiten. Das kann sicher nicht das Ziel sein. Auf der anderen Seite: Wer oft genug darauf gewartet hat, dass diese oder jene Webseite endlich auch auf dem Handy geladen wurde, kann schwer etwas dagegen haben, die Sache zu beschleunigen. Und mit geeigneten Plugins kann es leicht sein, alle drei Formate mit wenig Aufwand zu realisieren.

Auch andere Tools und Techniken haben sich vorgenommen, Webworkern die Arbeit an der ein oder anderen Stelle zu erleichtern. Und so zeigen Ihnen unsere Autoren etwa, was das Shopsystem Magento 2 sowie Adobes neues Experience Design zu bieten haben, wie ally.js Ihre Webprojekte barrierefreier macht oder wie Sie Atomic Design und Pattern Lab einsetzen. Etwas technischer wird es dann bei Themen wie Layout-Testing, NativeScript oder Docker. Alles Tools, die vielleicht nicht die finale Website schneller machen, zumindest aber Ihren Workflow beschleunigen.

Faster than a speeding bullet.

Nicolai Schwarz

Nicolai Schwarz 

Nicolai Schwarz

kümmert sich am liebsten um guten Content. So auch bei der Screenguide. Wenn er dort nicht gerade Inhalte auf Herz und Nieren prüft, arbeitet er als selbstständiger Designer und Webentwickler, hauptsächlich in Drupal-Projekten.

Twitter: @textformer

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